Dein Körper stirbt, bevor du selbst stirbst: Ein Interview mit Anca Damian

Interview mit Anca Damian:

Crulic – drumul spre dincolo erzählt die Geschichte eines tragischen Hungerstreiks. Regisseurin Anca Damian redet über die Entstehung ihres Filmes.

von Gregor Schenker

Wann haben Sie zum ersten Mal von dem Fall Crulic gehört?

Das war im März 2008, als der Fall öffentlich wurde und es in Rumänien und Polen eine Untersuchung gab. Zunächst durch Journalisten, erst dann durch den Staatsanwalt und den Aussenminister Rumäniens. Die Sache wäre beinahe nie ans Tageslicht gekommen: Crulic starb im Januar, bis im März wusste niemand, dass es überhaupt einen Fall gibt. Ich war dann sehr daran interessiert, mehr zu erfahren, und entschied mich schliesslich dazu, einen Film zu machen. Wie ich den Film machen sollte, wusste ich damals noch nicht. Das kam erst später (lacht).

Die 1962 geborene Regisseurin, Drehbuchautorin und Kamerafrau Anca Damian hat mit Crulic ihren ersten Animationsfilm veröffentlicht. Die rumänisch-polnische Koproduktion erzählt vom Leben und Sterben des Daniel Claudiu Crulic, der infolge eines Hungerstreiks in einem polnischen Krankenhaus starb. Der Fall erschütterte im März 2008 ganz Rumänien.

Zu Beginn wollten Sie ja keinen animierten Film machen.

Nein. Es war so: Ich war fasziniert von dieser Art des Sterbens, dem Hungertod. Dein Körper stirbt, bevor du selbst stirbst. Du kannst über deinen Tod nachdenken. Ich wusste am Anfang also, dass ich etwas daraus machen wollte, aber ich wusste nicht, was. So fing ich an nachzuforschen und während ich dies tat, entschied ich mich für den Trickfilm. Ich begriff nämlich, dass ich den wichtigsten Teil der Geschichte, Crulic selbst, sonst nicht zeigen könnte. Ich las alles in den Akten nach, ich ging an die Orte, wo Crulic hingegangen war. Ich fing an, ihn mir vorzustellen und ich baute ihn in mir wieder zusammen. Als ich anfing, Crulic zu machen, erzählte ich die Geschichte aus seiner Warte.

Haben Sie also auch seine schriftlichen Hinterlassenschaften gelesen? Man sieht ja im Film, dass er ein Tagebuch führt.

Er hat immer Notizen gemacht, aber ich fand davon nur drei Seiten. Einträge in der Art von: „Ich war im Krankenhaus“, „Ich wiege 50 Kilos“ oder „Ich habe an diesem Tag einen Gerichtstermin“. Ich musste mir sein Sterben zusammenbauen, als ich es aufschrieb. Ich habe alles in Erfahrung gebracht, was ich konnte, und setzt den Fall zusammen. Nicht nur die Fakten, sondern auch seine Emotionen und seine Gedanken.

Vor Crulic haben Sie keine Animationsfilme gemacht?

Nein, das war mein erster Trickfilm, da war ich eine Anfängerin. Ich benutzte alle Werkzeuge, die die Animation mir zur Verfügung stellte. Die Werkzeuge, die mir halfen, diese Geschichte so gut wie möglich zu erzählen.
Ich habe in manchen Zeitungen gelesen, dass man den Fall mit Kafkas Werk verglich. Russische Journalisten verglichen ihn mit Gogol. Es ist eine universale Geschichte, nicht einfach ein Fall. Ich wollte nicht nur etwas über Daniel Claudiu Crulic erzählen. Der Film geht darüber hinaus.

Wie sind Sie zu ihren Trickfilmzeichnern gekommen? Wie haben Sie mit ihnen gearbeitet?

Es gibt in Rumänien keine Zeichentrick-Tradition. Zwanzig Jahre lang hatte kein Studio mehr einen Animationsfilm gemacht. Ich musste mir also die Leute suchen, ohne zu wissen, ob sie so etwas können, ob sie die richtigen dafür sind. Ich habe es dann gemacht wie beim Casting oder wenn ich eine Crew zusammenstelle und etwas Zeit mit ihnen verbracht. Schliesslich entschied ich mich über die Intuition. Du fühlst es, dass sie es schaffen können.
Als ich sie das erste Mal traf, stand noch nichts wirklich fest. Wir mussten einen Film machen, aber es war nicht ihr Film, sie haben einfach die Animation beigesteuert. Wir arbeiteten daran, bis wir den Stil fanden, den ich wollte. Es war nicht so, als hätten wir uns getroffen und alles wäre toll und schon fast fertig gewesen. Nein, es war viel Arbeit. Aber sie waren sehr begabt und am Ende war es wundervoll, mit ihnen zu arbeiten, und ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.

Der Film vereint sehr verschiedene Stile. Haben die unterschiedlichen Trickfilmzeichner verschiedene Abschnitte übernommen?

Nein, sie haben den ganzen Film gemeinsam gemacht, aber verschiedene Techniken angewandt. Sie hatten nie zuvor zusammengearbeitet und kamen nur für Crulic zusammen. Dan Panaitescu zum Beispiel war für das Konzept verantwortlich, Dragos Stefan war eine Art Produktionsmanager, der dafür sorgte, dass eins zum andern kommt, und so fort.

Wie entstand die Musik für den Film?

Der Film ist ja eine Koproduktion, die Musik ist polnisch. Nachdem die Zusammenarbeit mit einem anderen Musiker nicht klappte, traf ich mich mit Piotr Dziubek. Er hatte nie zuvor Filmmusik komponiert, aber er schrieb schon Musik fürs Theater. Sein Stil passte sehr gut zu dem, was ich wollte. Er hat mir eine Auswahl geschickt, nur zwei oder drei Beispiele, so dass ich mich für die eine oder andere Richtung entscheiden konnte. Wir sprachen dann darüber, worum es in dem Film geht und was mir vorschwebte. Er hatte das Hauptthema zwei Wochen später fertig und es war brillant.

Machte er die Musik, ohne vorher den Film gesehen zu haben?

Ja, natürlich. Die Musik wurde im Nachhinein geschnitten.

Aber sie fügt sich wirklich hervorragend in den Film ein.

Piotr verstand mich sehr genau. Und er hat natürlich die Arrangements gemacht, nachdem der Film fertig war, wir passten hie und da die Länge an. Aber die eigentliche Musik entstand viel früher.

Auch der Sprecher, der Crulic seine Stimme gibt, passt perfekt.

Es handelt sich bei ihm um einen der berühmtesten Schauspieler Rumäniens, Vlad Ivanov. Er war schon drei- oder viermal in Cannes vertreten. Er kam in einem Städtchen in der Nähe von Crulics Heimatort zur Welt, er stammt also aus derselben Region. Er brachte die Ironie des Charakters sehr gut herüber.
Mit ihm zu arbeiten war sehr einfach. Wir sprachen drei- oder viermal miteinander und er verstand meine Vorstellungen sehr genau. Er arbeitet sehr professionell, bereitet sich sehr gut vor. Um anderen Leuten verständlich zu machen, was ich wollte, musste ich kämpfen. Mit Vlad war es nie ein Kampf, es funktionierte einfach.

Hatte der Film, nachdem er nun herauskam, politische Folgen?

Crulic ist kein politischer Film. Der Fall ist politisch, aber der Film ist nicht politisch. Mein Ziel ist es, die Leute zu ändern, denn sie sind dazu in der Lage, die Gesellschaft zu ändern. Wenn du sagst, du willst die Gesellschaft ändern, sind das bloss Worte. Die Gesellschaft wird von den Leuten gemacht, du musst ihre Sicht ändern.
Ich musste aber damit umgehen, dass es ein politisches Thema ist und es politische Reaktionen gibt. Der Aussenminister und andere Leute waren nicht glücklich darüber, dass wir über den Fall reden, aber es ist kein politisches Thema. Ich denke, dass das Politische die Menschen nicht wirklich erreicht. Was uns wirklich anspricht, das sind viel wichtigere Dinge als Politik (lacht).

Waren die Behörden hilfsbereits, als sie an Crulic arbeiteten?

Zu Beginn nicht. Aber es wurde besser, als der Film zu einer rumänisch-polnischen Koproduktion wurde. Am Anfang war es fast unmöglich, mehr als das herauszufinden, was in den Zeitungen stand. Aber danach bekam ich die Kopien der Akten, ich bekam alles, was ich sehen wollte. Ich habe eine Menge Leute getroffen, Familie und Freude von Crulic, Nachbarn und Bekannte. Ich verbrachte so viel Zeit mit dem Fall. Jetzt weiss ich viel mehr als die Zeitungen und Journalisten. Ein Journalist beschäftigt sich maximal eine Woche mit einem Fall, er schreibt etwas darüber und das war’s. Wenn du einen Film machst, gehst du tiefer. Das ist viel komplizierter, als einen Artikel zu schreiben.

 

Die Kritik zum Film gibt es hier.

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The Loneliest Planet – Ein Trio auf Reisen

Auf dieser Bergwanderung fehlt nur noch der Reiseführer „lonely planet“. Ob dieser den Abenteurern in Georgien jedoch nützlich ist? Ein echter Reisebegleiter ist in der Stuation bestimmt die grössere Hilfe.

von Deniz Sartekin

The Most Boring Planet hätte den Film (im Wettbewerb Concorso internationale) sicherlich besser umschrieben, denn langweilig ist er allemal. Die Verliebten Nica und Alex (Hani Furstenberg, Gael Garcia Bernal), die in wenigen Monaten heiraten werden, heuern einen Reiseführer an und machen sich auf den Weg ins Kaukasusgebirge. Die Sonne scheint, ein weiter blauer Himmel und eine atemberaubende Berglandschaft zeigen sich in ihrer vollen Pracht. Man sieht die Verlobten, wie sie endlos lange Strecken laufen, Flüsse durchqueren und Bergwände hinaufklettern. Die Konversation ist genauso einfach, wie die Handlung. In den 113 Minuten des Spielfilms (der ausserdem ein Thriller sein soll, wovon man aber nichts merkt) passiert nicht viel. Die drei Protagonisten reden selten miteinander und wenn doch gesprochen wird, dann über kastrierte Chinesen, Wagen mit Vierradantrieb, den Unterschied zwischen „bitch“ und „beach“ oder „shit“ und „sheet“. Einfacher ausgedrückt: über eine Menge Belangloses. Diese Art von Konversation kann durchaus unterhaltsam sein. Zudem soll damit wohl die reale Situation einer solchen Bergwanderung gezeigt werden. Aber ob drei Menschen auf einem Berg wirklich solch einen Unsinn reden, ist für mich fragwürdig. Das Gespräch zwischen den Beteiligten könnte durchaus tiefgründiger sein, dann wäre der Film lebendiger geworden. Aber wahrscheinlich soll keine Tiefgründigkeit, sondern das Leben in seiner Einfachheit dargestellt werden.

Nica und Alex vertreiben sich die Zeit

Was ich der Realisierung von The Loneliest Planet zugute halten muss, sind die schwierigen Aufnahmebedingungen, die das Drehteam geschickt und mit viel Mühe gemeistert hat. Wie die Regisseurin (Julia Loktev) an der Pressekonferenz am Filmfestival Locarno betont, waren die Kameraführung oder das Warten auf das richtige Licht nicht ganz so einfach. Meist konnte die Crew nur wenige Stunden am Tag drehen. Danach ging erneut die Suche nach einem geeigneten Drehort los. Julia Loktev stellt an der Pressekonferenz fest: „I became very aware of light and sun.“ Wenn das mal keine gute Erfahrung für einen Filmemacher ist.
Auch scheint sich die mühselige Arbeit in ästhetischer Hinsicht gelohnt zu haben. Es sind durchaus wunderschöne Landschaftsbilder entstanden, die das Kaukasusgebirge in seiner Weite und Vollkommenheit aufzeigen.

Doch auch die schönsten Landschaftsaufnahmen können die Monotonität der Handlung nicht kompensieren. Elendslang schaut man den drei Leuten beim Wandern zu. Meist sieht man sie aus der Ferne, in der Grösse einer Stecknadel voranschreiten. Die Einstellungen sind eindeutig zu lang. Wenn auch noch die komischen Gespräche wegfallen würden, wäre der Zuschauer schnell eingeschlafen. Hinzu kommt der schlechte Schnitt. Die Bildübergänge sind meist nicht fliessend, was fürs Auge ziemlich störend sein kann.

Trotz der schönen Ästhetik waren meine Eindrücke nicht positiv, aber ich wollte die Hoffnung auf keinen Fall aufgeben. Ich habe mich bemüht den Film zu verstehen und zu mögen. Dabei sollte ein Gespräch mit der Film-Crew behilflich sein. Ich hatte die Ehre mit dem Filmteam beim Mittagessen an einem Tisch zu sitzen. Und so sass ich an jenem Tisch mit Produzent, Koproduzent, Make-Up-Artistin, Schauspielerin und zu guter Letzt der Regisseurin. Bald unterhielt man sich über The Lonelinest Planet. Die sympathische und paradoxerweise äusserst lebendige Regisseurin erzählt mir, dass sie die Geschichte bewusst mit einer nackten Frau beginnen wollte. Man sieht Nica (Hani Furstenberg) wie sie sich wäscht und gleichzeitig auf und ab hüpft. Im weiteren Verlauf des Films sieht man, trotz der vielen Liebesszenen, keine Nacktheit mehr. Der intime Akt wird bewusst dargestellt, ohne viel entblösste Haut zu zeigen, sodass der Zuschauer sich vieles in seiner eigenen Fantasie ausmalen kann. Diese Machart ist durchaus gelungen und macht den Inhalt in dieser Hinsicht wieder spannend.

Dennoch, der Film ist und bleibt einseitig. Und zudem handelt es sich um eine Geschichte, die keinen Sinn ergibt. Auch in Vidas Secas von Nelson Pereira dos Santos laufen die Personen stundenlang in einer ausgetrockneten Landschaft umher. Die karge Landschaft wird ebenfalls mit unerträglichen Tönen untermalt. Dennoch, da ergibt es einen Sinn. Anhand der Aufnahmen soll die Armut und die Hungersnot in Brasilien aufgezeigt werden. Um was es jedoch in the lonelinest planet geht, ist nicht ganz klar. Zu Beginn denkt man, dass eine Bergwanderung möglichst real dargestellt werden soll. Doch dann bedroht ein Bergmann das junge Paar und die Handlung soll sich anscheinend zu einem Thriller wandeln. Komisch ist, dass man als Zuschauer keine Angst verspürt. Und als der Film dann auch noch versucht romantisch zu sein, ist ein für alle mal Schluss. Was soll jetzt noch eine Dreiecksbeziehung bezwecken? Handelt es sich nun um eine Dokumentation über eine Bergwanderung, um einen furchteinlösenden Thriller, oder um eine dramatische Liebesgeschichte mit viel Männlichkeit? Ich weiss es nicht, doch was ich weiss ist: die Regisseurin hätte einen lonely planet fürs Filmemachen gut gebrauchen können.

USA/Germany, 113 Minuten

Genre: Thriller
Regisseurin: Julia Loktev
Drehbuch: Julia Loktev, Tim Bissell
Drehort: Georgien

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The Loneliest Planet : Le Caucase hanté de Julia Loktev

Par Antoine Gallay

 

Un véritable tableau: des montagnes émeraude, nues et terribles, dans lequel évoluent trois protagonistes minuscules – deux jeunes fiancés américains et leur guide géorgien. Régulièrement, les images flottantes du steadycam sont interrompus par ces plans fixes, magnifiquement découpés, lyriques et sévères. Régulièrement, est rappelée l’impuissance des hommes face à une nature indifférente. Une musique répétitive – la seule du film – souligne ces moments étranges, affirme leur rôle central au sein de la structure – de l’ordre de la ponctuation, de la respiration.

Une blague sinistre, quelques jeux de magie, des histoires de castration en série diffusent lentement une angoisse sourde au sein de ce désert verdoyant. Un événement brutal, un geste déplacé, et ces immenses paysages semblent se refermer en grimaçant.

Si jamais cette angoisse ne s’éteint complètement, elle cède cependant parfois au profit de l’ennui. Cet ennui éprouvé par le spectateur face aux longues marches silencieuses, aux distractions sans intérêt, aux interminables discussions nocturnes, n’est cependant ni maladroit, ni vain. Il installe un malaise insidieux et offre une impression de réalisme troublant.

La réalisatrice, Julia Loktev, fait preuve d’une indéniable ambition esthétique, et d’une extrême habileté à créer l’inquiétude par le biais de scénettes innocentes ou de quelconque détails. Le film n’est pas une partie de plaisir : il attire systématiquement le spectateur vers ses propres peurs – peur de faillir, peur de l’impuissance, peur de l’autre.

On doit malheureusement relever un défaut. La scène centrale du film ne fonctionne pas. A la place de cette tension qui cloue au siège, on se surprend à sourire, voire à émettre quelques gloussements devant le ridicule du geste. Jusqu’à présent, la force du film résidait dans l’adhérence de nos ressentis à ceux des personnages et les nôtres. Or c’est là une totale disjonction qui se réalise.

Cependant, ne soyons pas de mauvaise fois. L’amusement ne dure que quelques minutes, rapidement plombé par le retour de ces peurs floues qui hanteront les personnages jusqu’au dernier plan.

USA/Allemagne – 2011 – 113′
Réalisateur: Julia Loktev
Acteurs: Gael García Bernal, Hani Furstenberg, Bidzina Gujabidze

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Un entretien avec Tetsuya Mariko

Par Pauline Brandt et Antoine Gallay

Né à Tokyo en 1981, Tetsuya Mariko commence ses études à la Hosei University avant d’obtenir son diplômeôme à la Tokyo University of the Arts. En 2001, il réalise son premier court métrage, Hozo, suivi de plusieurs autres, parmi lesquels The Far East Apartment (2003) et Mariko’s 30 Pirates (2004). Il réalise Ierô Kiddo (Yellow Kid), son premier long métrage, en 2009. En 2011, il réalise Ninifuni, sélectionné à Locarno au sein de la section Fuori Concorso.

 

Comment le  projet de Ninifuni a débuté ? Quelles sont les idées de base qui ont mené à sa conception ?

Avec l’aide de Yasutomo Chikuma, cinéaste et co-scénariste de Ninifuni, nous avons commencé à chercher un sujet un peu au hasard. C’est alors que le producteur de Chikuma nous a raconté un fait divers, celui d’un tournage effectué à quelques mètres d’un homme mort dans une voiture. Nous nous sommes immédiatement intéressés à cette histoire.

On observe dans Ninifuni l’antagonisme entre une culture populaire idolâtrée, mais complètement artificielle, et la réalité de cet homme qui se suicide. Mais que reflète cette mort plus précisément?

En fait, le sens de cette mort n’est pas déterminé. Le titre peut éventuellement proposer des explications à cette opposition. Ninifuni veut dire l’idole. Il représente plusieurs caractères – l’idole de la culture populaire, mais aussi l’idole religieuse – qui se rejoignent finalement. A la base, dans ma tête, il y n’a qu’une image, celle d’un homme mort dans sa voiture et, au-dehors, des chanteuses qui dansent. Je suis parti de cette image. J’ai rajouté des éléments autour, sans mettre de sentiment, sans essayer de définir la signification d’une telle expérience. Je voulais juste mettre les choses à plat.

Vous avez choisi un groupe, Momoiro Clover, pour réaliser la scène de tournage. Comment ce choix s’est-il décidé ?

On trouve au Japon, beaucoup de groupes d’idoles, mais je pense que Momoiro Clover est assez spécial, assez différent des autres groupes très médiatisés. Je ne sais pas comment vous dire ça, il y a quelque chose de plus énergique, de plus vivant. Quand je leur ai demandé de jouer dans le film, l’année dernière en novembre, elles n’étaient pas encore très connues. Récemment, elles sont devenues très populaires, au sein de ceux qui apprécient ce que l’on qualifie de sous-culture au Japon.

Cette sous-culture vous intéresse-t-elle ?

Auparavant non, je ne connaissais pas bien du tout ces groupes d’idoles. C’est seulement lors de la découverte de Momoiro Clover que j’ai commencé à m’intéresser à la sous-culture.

En quoi vous intéresse-t-elle ? Est-ce d’un point de vue purement critique ? Ou éprouvez-vous aussi une certaine fascination ?

Je me suis basé sur le fait divers qui comprenait lui-même un groupe d’idoles. J’ai donc entamé l’écriture d’un point de vue réellement critique. Puis progressivement, j’ai découvert le travail et les histoires individuelles de Momoiro Clover. Je me suis lié d’amitié avec elles, et j’éprouve une certaine admiration pour tout ce qu’elles ont pu accomplir. Mais  naturellement, dans le film, le traitement critique prédomine.

Quel regard portez-vous sur le suicide ?

Le film a été tourné dans la région où a eu lieu ce fait divers. En fait, mon idée du suicide a été totalement transformée au fur et à mesure des repérages. Quand j’étais à Tokyo pour l’écriture, je me positionnais totalement contre le suicide. Mais quand j’ai commencé à effectuer les repérages dans ces villes de province, j’ai été frappé de constater à quel point tout est vide. Ca me rappelle les road-movies dans lesquels on découvre des enfilades de magasins déserts au bord des routes. Je perçois dans ces lieux une grande indifférence envers les êtres humains, une indifférence qui m’a terrifié. C’est comparable aux pop stars à côté de la voiture qui éprouvent une totale indifférence à la réalité. Le suicide m’est paru plus compréhensible à ce moment-là.

Pour finir, pourriez-vous nous parler un peu de la manière dont vous travaillez, en tant que cinéaste indépendant, au Japon ?

C’est très dur. Faire un film de manière indépendante devient de plus en plus difficile. Mais le film indépendant permet un résultat qu’on ne peut espérer trouver avec le film commercial. Les liens entre cinéastes indépendants est très fort au Japon, et je sais qu’il y a là un véritable potentiel.

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Filmfestival Locarno 2011 – Ein breites und differenziertes Angebot

Trotz eines vermeintlich schwachen Hauptwettbewerbs ist Olivier Père der Spagat zwischen Blockbuster und Avantgarde gelungen.

von Filip Dingerkus

Langsam geht das Festival seinem Ende entgegen und es ist an der Zeit Bilanz zu ziehen. Wieder einmal galt es mehr als ein Dutzend Filme in jeder Kategorie zu begutachten. Nebst dem jährlich umworbenen Lauf um den Goldenen Leoparden in der Hauptkonkurrenz (Concorso internazionale), waren wieder nationale wie internationale Kurzfilme sowie Produktionen junger Filmemacher in eigenen Sparten zu finden. Auch die grossen Filme auf der Piazza Grande, die Retrospektive von Vincente Minelli und weitere ausser Kompetition laufende Filmblöcke boten eine immense Auswahl unterschiedlichster Werke.

Begeistert war ich vor allem von den jungen Regisseuren im Bereich Cineaste del presente. Deren Filme überzeugten mich fast durchgehend in höherem Masse als der Hauptwettbewerb. Den grössten Eindruck hinterliessen bei mir Alex Ross Perrys The color wheel und Sonthar Gyals The sun beaten path. Auf den ersten Blick zwei völlig verschiedene Produktionen, ein amerikanischer und ein tibetischer Film, die jedoch beide in den jeweiligen Ländern kleine künstlerische Werke in einer von kommerziellen Grossprodukten dominierten Industrie sind. Ausserdem sind beide eine Art Roadmovie. Perrys Film besticht durch intelligenten Witz und starke Dialoge. Gyals Film ist eine spirituelle emotionale Reise, durch die tibetische Hochebene, die wirklich berührt.

Der lahme Hauptwettbewerb war dominiert von narrativ langsamen und leider teils verdammt langweiligen Filmen. Eine Menge Möchtegern-Artisten gaben sich die Ehre, allein fehlte ihren Filmen das Herz. Es gab auch ein paar gute Werke, unter anderem Terri oder Hashoter. Ich habe auch gehört, dass Crulic und Saudade sehr gute Beiträge waren, aber unter den Filmen die ich gesehen habe, stach eindeutig der gesellschaftspolitische Dokumentarfilm Vol spécial von Fernand Melgar heraus und ist somit mein hoffnungsvoller Tipp für den Hauptpreis.

Die Kurzfilme hatten international sehr viel zu bieten und der Polnische Opowieści z chłodni oder der Brazilianische Mens sana in corpore sano brannten sich nachhaltig ins Gedächtnis ein. Der eine mit seinem trockenen Humor, der andere mit seiner David-Cronenbergäsken Inszenierung. Beides zwei bemerkenswerte Shorts in einer sehr starken Konkurrenz. Ganz anders der Schweizer Kurzfilm. Hier konnten mich nur wenige wirklich überzeugen, doch mit L’ambassadeur et moi steht eine Doku ganz oben auf meiner Liste.

Auch auf der Piazza Grande gab es viele gute Filme zu bestaunen. Der mit Abstand coolste war für mich Nicolas Winding Refns Drive, wahrscheinlich auch mein allgemeiner Favorit auf dem Festival. Aki Kaurismäkis Le Havre, Kevin Smiths Red State aber auch J.J. Abrams Super 8 waren sehr unterhaltende und makellose Produktionen. Ich habe aber aus Insiderquelle gehört, dass Bachir Lazhar von Philippe Falardeau gute Chancen auf den Publikumspreis hat.

Fazit: Ich hoffe auf Vol spécial im Concorso internazionale, auf The color wheel oder The sun beaten path beim Cineaste del presente, auf Opowieści z chłodni oder Mens sana in corpore sano im internationalen Kurzfilm, L’ ambassadeur et moi im nationalen Kurzfilmwettbewerb und Drive auf der Piazza Grande.

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Pardi di domani: Concorso internazionale 3 – Kurz, aber blutig

In diesem Teil des internationalen Kurzfilmwettbewerbs wird es blutig. Die Beiträge setzen ganz auf Thrill und Spannung.

von Filip Dingerkus und Gregor Schenker

Il respiro dell’arco
Italien 2011, 10 min
Regie: Enrico Maria Artale

Der Inhalt ist schnell erzählt: Eine Bogenschützin bereitet sich auf die Abrechnung mit einer Gruppe Jungs vor. Die Konsequenzen für die Halbstarken sind unausweichlich.

Unweigerlich kommt die Assoziation mit einem künstlerischen Musikvideoclip auf. Das Zusammenspiel aus Bild und Ton geben in diesem zehnminütigen Kurzfilm den Ausschlag. Präzise passt sich der Schnittrythmus dem Beat der sphärischen Ambientmusik an und es entsteht eine dynamische Einheit. Akkurat konzipiert ist dieser (beinahe) Stummfilm. Bei der Hauptdarstellerin wird gänzlich auf Sprache verzichtet. Auch sonst beschränkt sich der Dialog auf das Wesentliche und gibt bloss den Ablauf beim Bogenschiessen, sowie das Motiv der Schützin preis. Ihr grimmiger Gesichtsausdruck und das Feuer in den Augen zeigen ihre unaufhaltsame Entschlossenheit. Sehr intensiv, sehr cool.

Just a Perfect Day
Griechenland 2011, 6 min
Regie: Evris Papanikolas

Läuft der Abspann eines Kurzfilmes, ist das Publikum in Locarno still oder applaudiert. Bei Just a Perfect Day entstand ein grosses Gemurmel. Wirklich einen Sinn scheint die Regiearbeit des Griechen Evris Papanikolas auf den ersten Blick nicht zu haben, sie versammelt einfach ein paar Ereignisse, die sich im Umfeld einer Tankstelle abspielen: Ein Junge und ein Mädchen sitzen in einem Motorboot, das auf einen Anhänger befestigt ist. Der Knabe schiesst mit dem Finger auf zwei junge betrunkene Frauen, die à la Thelma und Louise davonbrausen. Zwei Polizisten liefern sich zum Schein ein Duell mit der Pistole und werden plötzlich erschossen. Während sie verblutend am Boden liegen, zieht eine Blaskapelle vorbei. Dazu hören wir Lou Reeds Perfect Day.

Bilder von Seefahrtsträumen, Sex und Gewalt wechseln sich ab. Die Menschen dieses Kurzfilms leben in einer Welt, die von Werbung und Kino gezeichnet ist – Polizisten halten sich für Cowboys in einem Western, Kinder spielen reiche Bootsführer. Der Regisseur dreht seit vielen Jahren Werbespots, Just a Perfect Day spielt mit der perfektionierten, aber leeren Ästhetik derselben und mit den wohlbekannten Bildern, die ihr entstammen. Er parodiert sie mit Witz und inhaltlicher Absurdität.

 

Mens sana in corpore sano
Brasilien 2011, 22 min
Regie: Juliano Dornelles

Der prähistorische Barbarenkrieger Conan ist das grosse Vorbild des Bodybuilders. Er macht jeden Tag sein Trainingsprogramm, arbeitet im Fitnesscenter, geht joggen, trinkt sein Aufbaupräparat, übt die Figuren für seinen Auftritt, spritzt sich Steroide. Auf der Hantelbank grunzt er tierisch, sein Gesicht ist grotesk verzerrt, er schwitzt. Sein Tag besteht aus mechanischer Routine und Selbstquälerei. Selbst wenn er in den Stripclub geht, achtet er auf die Muskelbewegung der tanzenden Frauen. Das Stählen seiner Muskeln ist sein Lebensinhalt. Juliano Dornelles zeigt den monotonen Tagesablauf des Körperarbeiters, ohne dass es langweilig würde. Die absurde Situation des Protagonisten versetzt einen in Staunen.

Aber sein Körper widersetzt sich. Der Bodybuilder träumt von Pommes, Eiern und Bier. Es sind Albträume. Die Eier stossen einen hellen Schleim mit Würmern aus. Die Surrealität dieser Bilder, die bedrohliche rote Beleuchtung, die beunruhigende Musik – das erinnert an die Traumsequenzen aus Twin Peaks. Auch bei Dornelles’ Kurzfilm wird es zunehmend fantastisch: Der Körper findet einen radikalen Weg, den Geist aus dem Weg zu räumen. Im bizarren Krieg um Muskeln kommen sie nicht miteinander aus.

 

Innocente
Frankreich 2011, 27 min
Regie: Samuel Doux

Eine Frau schiesst ihren Ex-Freund an. Auf der Flucht lernt sie einen ausgebrannten Typen, der bizarre Gespräche mit dem verstorbenen Vater führt, kennen. Als sich herausstellt, dass er Polizist ist, wird ihr Verhältnis zueinander auf die Probe gestellt.

Ausschliesslich mit Handkamera gefilmt, überzeugt der Kurzfilm durch eine stringente Narration und zwei miteinander harmonierende Hauptdarsteller. Die Interaktion zweier Personen steht auch bei vielen Schweizer Kurzfilmen im Vordergrund. Dort nimmt man ihnen ihr zuweilen steifes oder übertriebenes Schauspiel nicht ab. Zu sehr ist die Rolle spürbar und die Konzentration der Akteure auf ihren Dialogen und nicht auf den Emotionen. Innocente zeigt wie dies besser vereint und vermittelt werden kann. Sprachlich, wie auch mimisch sind die Personen spontaner und unverkrampfter. Filme die fast ausschliesslich von der Wechselbeziehung der Figuren leben, gehen das Risiko ein, dass wenn die Darstellung nicht glaubhaft ist, eigentlich der ganze Film ins Wasser fällt. Diesem Kurzfilm ist es aber bravourös gelungen einen Flop zu verhindern, was auch der Applaus im Publikum bestätigte.

Opowieści z chłodni/Frozen Stories
Polen 2011, 27 min
Regie: Grzegorz Jaroszuk

Siehe die Besprechung hier.

Wäre der Wettbewerb um den besten Schweizer Kurzfilm nur zu einem Bruchteil so gut wie die weltweite Konkurrenz, könnte man zufrieden sein. Diese fünf internationalen Filme sind aber leider den hiesigen Produktionen qualitativ immernoch um Längen voraus.

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Sport de filles, addominali di regia.

di Filippo Demarchi

Grida, gesti ed isteria a 360 gradi. Così inizia Sport de filles, l’ultimo film di Patricia Muray, proiettato ieri sera sulla Piazza Grande dopo la cerimonia di premiazione a Bruno Ganz (Pardo d’onore alla carriera).

È la storia di Gracieuse, cavallerizza ribelle, che dopo aver abbandonato la sua società equestre per dissensi, va alla ricerca di gloria e successo. Firma un contratto con una nuova società equestre, ma a una condizione: avere un cavallo tutto per lei. La padrona le sorride, ma la assume come custode di un cavallo. Gracieuse, la cavaliera ribella, incontra Franz Mann (Bruno Ganz), l’addestratore equestre settantenne, un tempo rinomato cavaliere tedesco. Questo le propone di prendersi cura di un cavallo appena arrivato dagli Stati Uniti, ma l’arrivismo di Gracieuse la spingerà fino a rubarlo e portarlo in Germania sognando di poter partecipare ad una prestigiosa gara equestre.

Lineare, semplice e senza colpi di scena, la storia ci conduce nel mondo dei cavalli, presentato di proposito in cattiva luce. Più che una sana competizione o l’amore per lo sport, dominano gli interessi finanziari ed una malsana gelosia.
L’ambiente descritto si fa detestare ma tutto il film ne coltiva l’arte. Alcuni potrebbero affermare che la coltiva tanto da diventare interessante, ma non si può salvare un film detestabile se non propone niente di nuovo.
Sport de filles inizia con una musica rock a tutto volume sulle immagini di Gracieuse arrabbiata. La colonna sonora sembra incollata alle immagini, senza veramente un nesso logico o una connessione con le azioni dei personaggi.

Patricia Muray mette in scena una serie di personaggi che sono luoghi comuni ma vede un Bruno Ganz fare sforzi titanici per salvare il suo personaggio dalla bidimensionalità della regia. Peccato perché neanche la sua interpretazione è sufficiente a salvare l’operazione di un film che ha una sceneggiatura piena di lacune e di velleitarismi.

Neanche gli sforzi titanici di Bruno Ganz salvono un film pieno di lacune.

 

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